18 - Der Wert von Hebammen: Wie Geburt medizinisch wurde
Shownotes
Warum werden Geburten heute medizinisch begleitet? Welche Rolle spielten Hebammen in der Geschichte der Geburtshilfe? Was bedeutet Selbstbestimmung unter der Geburt und wann erreicht Autonomie ihre Grenzen?
In dieser Folge von *Luz Materna* spreche ich über die Medikalisierung von Schwangerschaft und Geburt, die Geschichte der Hebammenarbeit und die Frage, wie eine Geburtskultur aussehen kann, die fachlich kompetent und gleichzeitig menschlich präsent ist.
Eine persönliche und wissenschaftliche Reise durch Vergangenheit und Gegenwart der Geburtshilfe.
Deine, Catalina.
Instagram: https://www.instagram.com/catalina.dellamaggiora/ - Mail: catadellamaggiora@gmail.com
Quellen:
BERGMANN, Anna (2014): Geburtsgeschichte als Körper- und Kulturgeschichte. In: Österreichisches Hebammengremium- Hebammenzeitung 2014 (1): 16-19.
BERGMANN, Anna (1992): Die verhütete Sexualität: Die Anfänge der modernen Geburtenkontrolle. -Hamburg: Rasch und Röhring Verlag.
CONRAD, Peter (1992): Medicalization and social control. In: Annual Review of Sociology 18: 209-232.
DUDEN, Barbara (1991): Der Frauenleib als öffentlicher Ort. Vom Missbrauch des Begriffs Leben. -Hamburg und Zürich: Luchterhand Literaturverlag GmbH.
FESSLER, Roswitha (2022): Vom Wissen der Frauen. Ein Blick in die Geschichte der Geburtshilfe. In: Anke Dürr et. al. (Hg.): Geburtskultur: Vom gebären und geboren werden. -Wien: Löcker Verlag: 76-87.
ILLICH, Ivan (1995): Die Nemesis der Medizin. -Nördlingen: C.H. Beck´sche Verlagsbuchhandlung.
KRUSE, Britta-Juliane (1996): Verborgene Heilkünste: Geschichte der Frauenmedizin im Spätmittelalter. In: Ernst Osterkamp und Werner Röcke (Hg.): Quellen und Forschungen zur Literatur- und Kulturgeschichte. -Berlin und New York: Walter de Gruyter & Co.
METZ-BECKER, Marita (1997): Der verwaltete Körper. Die Medikalisierung schwangerer Frauen in den Gebärhäusern des frühen 19. Jahrhunderts. -Frankfurt und New York: Campus Verlag.
SCHMIDT, Alexandra (2017): Das Mystische wird bleiben. Zur Kulturgeschichte der Geburt in Kärnten. -Verlag Johannes Heyn, Klagenfurt.
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00:00:02: Hallo und herzlich willkommen bei Luz Materna.
00:00:05: Dem Podcast über das Licht, das in uns wohnt – manchmal verborgen, manchmal strahlend hell!
00:00:11: Das Licht, dass wir durch die Mutterschaft entdecken, verlieren und wiederfinden.
00:00:16: Mein Weg in meine Mutterschaff durch meine Schwangerschaft, meine Geburt und auch durch Verlust war genau das.
00:00:22: Ein Weg durch Schatten und Licht.
00:00:24: Schön, dass du heute hier bist.
00:00:27: Ich bin Katalina, Kultur- und Sozialanthropologin mit dem Fokus auf Medizinantropologie.
00:00:33: Und werde die Hebamme!
00:00:34: Ich begleite Frauen in Prozessen der Wandlung und des Wachsens aus gelebter Erfahrung als Mutter, als Frau, als eine, die Leben geboren und den Tod in den Armen gehalten
00:00:44: hat.".
00:00:45: Luz materner bedeutet ausspanisch Mutterlicht oder mütterliches Licht.
00:00:50: Mein Podcast ist eine Einladung an dich, dich selbst in deiner Transformation zu erkennen – in deller Kraft, in einer Verletzlichkeit und in deiler Weisheit!
00:01:00: Egal ob Mutter oder nicht, egal was dein soziales oder dein biologisches Geschlecht ist.
00:01:06: Egal wie alt du bist, egal wo du herbist, egal ob du selbst eines Tages Kinder gebären möchtest großziehen begleiten oder nicht wir alle haben eine Erfahrung unseres Lebensgemeins.
00:01:20: Wir werden alle geboren aus einem gebärfähigen Körper heraus in diese Welt.
00:01:26: Das sind die Bedingungen des Lebens selbst geboren werden, leben und eines Tages sterben.
00:01:33: In diesem Podcast widme ich meine Aufmerksamkeit, meine Zeit und sehr viel Liebe diesen Themen.
00:01:39: Der Fokus liegt in vielen Folgen aus der Perspektive eines Neugeborenen auf dem Beginn des Lebens Aus der Perspektive der Gebärenden auf einem tiefgreifenden, einschneidenden und lebensverändernden Prozess.
00:01:53: Das Thema Mutterschaft begegnet Menschen mit gebärfähigen Körpern irgendwann im Laufe ihres Lebens auf die eine oder andere Weise und kann aus so vielen unterschiedlichen Perspektiven betrachtet werden wie das Mensch sein selbst – obwohl Geburt uns seit Anbeginn der Menschheit begleitet, hat sich die Art und Weise wie wir über Geburt denken.
00:02:16: Wie wir sie erleben, wie wir Übergeburt sprechen Und wie wir Menschen während dieses Übergangs begleiten im Laufe der Zeit immer wieder verändert.
00:02:26: Die in einem Land vorherrschende Geburtskultur sagt viel über den gesellschaftlichen Status von Frauen aus.
00:02:34: Diese Folge verstehe ich als eine Fortsetzung meiner dritten Podcastfolge mit dem Titel Gebärm in Würde zwischen Medizin, Menschlichkeit und Entscheidungskraft die vor etwa einem Jahr veröffentlicht habe.
00:02:48: Seitdem hat sich einiges verändert.
00:02:50: Ich hab weiter gelernt neue Erfahrungen gesammelt Neue Perspektiven gewonnen Und manche meiner bisherigen Annahmen hinterfragt.
00:02:58: Deshalb teile ich in dieser Folge nicht nur persönliche Erfahrungen und Gedanken sondern auch meine Entwicklung in Bezug auf diese Themen.
00:03:06: Sie ist eine Momentaufnahme meiner aktuellen Auseinandersetzung mit Schwangerschaft, Geburt, Mutterschaft und der Rolle von Hebammen in unserer Gesellschaft.
00:03:17: Wie immer erhebt das gesagt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.
00:03:20: vielmehr möchte ich dich einladen gemeinsam mit mir Fragen zu stellen und Zusammenhänge zu erkunden.
00:03:28: Bevor ich beginnen möchte, ich noch ein paar Gedanken mit euch teilen.
00:03:32: Während der Vorbereitung dieser Folge habe ich immer wieder darüber nachgedacht wie tief ich in die Geschichte der Medikalisierung von Schwangerschaft und Geburt und in den Wandel des Hebammenberufs eintauchen möchte.
00:03:46: Dabei stellt sich mir auch die Frage warum es für mich überhaupt so wichtig ist Studien- und Forschungen zur Entwicklung der Geburtshilfe in diesem Podcast aufzugreifen und dieses Wissen mit euch zu teilen.
00:03:58: Ich glaube, zu verstehen wie aus einem weiblich dominierten Handlungsraum in dem autonome Hebammen in Dörfern Gemeinschaften und Gesellschaften eine wichtige Monopolstellung innehatten – einer männlich geprägte medizinische und akademisierte Disziplin werden konnte In der der gebärrende Körper zunehmend überwacht und kontrolliert wurde, bedeutet auch sich ein fundierteres Verständnis von Geburtskultur anzueignen.
00:04:31: Es wäre nämlich zu einfach diesem Prozess ausschließlich, als das Ergebnis einer Batteriehallenentmachtung von Hebammen und Gebärenden zu betrachten.
00:04:40: Tatsächlich weisen Historikerinnen wie zum Beispiel Alexandra Schmidt auf die ich mich ganz oft beziehe in dieser Folge darauf hin dass die Kultur des Gebären nie geradlinig verlaufen ist sondern von Kontinuiteten Brüchen und Widersprüchen gleichermaßen geprägt wurde.
00:05:00: Aus einer anthropologischen Perspektive ist es mir sehr wichtig, komplexe Entwicklungen sichtbar zu machen ohne sie jedoch auf eine einzige Ursache zu reduzieren.
00:05:11: Wer sich näher mit dem Thema Geburt beschäftigt und sich ein wenig umhört bei Hebammen in Krankenhäusern, in Geburtsvorbereitungskursen oder bei der Gynäkologin.
00:05:26: in den sozialen Medien stößt relativ schnell auf das hitzige, geführte Debatten gegen setzliche Anschauungen unterschiedlicher Meinungen und Perspektiven.
00:05:36: Zumindest ist das der Eindruck, der mich bereits während meiner eigenen Schwangerschaft begleitet hat und der mir auch heute immer wieder begegnet.
00:05:45: Beginnen wir zum Beispiel mit der Frage nach dem vermeintlich richtigen Geburtsort.
00:05:49: wer sich in diesem Bereich informiert begegnete oft sehr unterschiedlichen Botschaften.
00:05:55: Die Klinikgeburt wird häufig als der medizinisch sicherste Ort für eine Geburt dargestellt, gleichzeitig werden außerklinische Geburtsorte die von frei beruflichen Hebammen begleitet werden nicht selten kritisch betrachtet.
00:06:10: Hausgeburten gelten manchen als gefährlich unhygienisch oder als ein vermeintliches Risiko für Mutter und Kind.
00:06:17: Gleichzeitig zeigen aktuelle geburtsstatistische Daten ein differenzierteres Bild, als die öffentliche Wahrnehmung oft vermuten lässt.
00:06:25: Bei sorgfältig ausgewildeten Schwangerschaft und entsprechender Begleitung erzielen außerklinische Geburten sehr gute Ergebnisse sowohl für die Mutter als auch für das Kind.
00:06:36: Diese Art gegensätzlicher Bewertungen begegnet uns nicht nur in der Frage nach dem Geburtsort.
00:06:42: Mein Eindruck ist, dass sich dieser Diskurs auch innerhalb der Geburtshilfe selbst wiederfindet.
00:06:48: Immer wieder höre ich Geschichten von Spannungen zwischen unterschiedlichen Berufsgruppen und Versorgungsmodellen – vom gegenseitigen Misstrauen das man mal den Eindruck erweckt!
00:06:58: Erstünden sich unterschiedliche Vorstellungen von Geburt unversöhnlich gegenüber.
00:07:04: Wir beginnen auch immer wieder Menschen, die genau das Gegenteil versuchen.
00:07:08: Hebammen, Ärztinnen und andere Fachpersonen, die den Austausch suchen und Brücken bauen möchten.
00:07:14: Menschen, sie sich dafür einsetzen, die Zusammenarbeit zwischen außerklinischen und klinischen Einrichtungen zu stärken beispielsweise um Übergänge etwa bei einer Verlegung möglichst sicher und respektvoll zu gestalten.
00:07:27: Mich beschäftigt dabei weniger die Frage, wer recht hat.
00:07:30: Vielmehr frage ich mich warum es in einem Bereich, in dem letztlich alle das Wohl von Mutter und Kind im Blick haben manchmal so schwierig scheint miteinander ins Gespräch zu kommen.
00:07:43: Zu den bereits angeführten Kommen Aussagen und Erfahrungen, die unterschiedlicher eigentlich kaum sein könnten.
00:07:50: In meiner Pre- und Postnatal Yoga Ausbildung begegnete mir beispielsweise die Haltung dass eine selbstbestimmte Geburt unter den heutigen Bedingungen grundsätzlich nicht möglich sei.
00:08:00: Gleichzeitig erzählen Frau von Geburten in denen sie sich gesehen getragen und respektiert gefühlt haben ebenso wie von Erfahrungen die sie als belastend oder sogar traumatisch erlebt haben.
00:08:12: Ich höre Berichte über die Herausforderungen eines Gesundheitssystems, das vielerorts unter Druck steht.
00:08:20: Von Hebammen, die mehrere Geburten gleichzeitig begleiten müssen von Personalmangel und hoher Arbeitsbelastung, die eine individuelle Betreuung erschweren.
00:08:30: Diskutiert wird auch über strukturelle Veränderungen, Geburtabteilungen schließen Versorgungsangebote verändern sich und angehende Hebammen machen sich Gedanken darüber, wie ihre berufliche Zukunft aussehen wird und unter welchen Bedingungen sie ihren Beruf später ausüben können.
00:08:48: Zu all dem beobachte ich in den sozialen Medienentwicklungen, die mich wirklich nachdenklich stimmen.
00:08:53: Dazu gehören Beiträge, in denen Hebammen und ihre Arbeitbauschahl kritisiert oder abgewertet werden.
00:09:01: Es begegnen wir Menschen ohne medizinische Ausbildung, die mit großer Sicherheit Empfehlungen zu komplexen geburtshilflichen Themen aussprechen.
00:09:10: Imso stoße ich auf Angebote, die Alleingeburtbewerben- Sichtfragen nach Verantwortung, Qualifikation und Sicherheit aufwerfen.
00:09:22: Und je mehr ich mich mit diesen Themen beschäftige, desto stärker entsteht bei mir der Eindruck dass viele dieser Thematiken miteinander verwoben sind und sich nicht auf einfache Gegensätze reduzieren lassen.
00:09:37: Der Blick auf die Geschichte der Geburtshilfe zeigt das Thema womit wir uns heute auseinandersetzen, dass viele dieser Kontroversen keineswegs neu sind.
00:09:48: Sie begleiten die Entwicklung der Obstetricks seit Jahrhundert und lassen sich bereits in den frühen Prozessen der Medikalisierung von Schwangerschaft und Geburt erkennen.
00:09:58: also beginnen wir von vorne zumindest bei meinem Anfang bei meinen ersten Recherchen und den historischen Entwicklungen, auf die ich dabei gestoßen bin.
00:10:10: Wir werden gemeinsam einen Blick darauf werfen warum manche dieser Debatten und Thematiken bis heute fortbestehen was sich für Gebärende und Hebammen bereits maßgeblich verändert und verbessert hat.
00:10:24: Und wo aus meiner Sicht Möglichkeiten liegen, die Begleiter rund um Schwangerschaft und Geburt weiterzuentwickeln?
00:10:30: Denn am Ende geht es für mich nicht darum – weil er Seite Recht hat!
00:10:35: Es geht darum wie wir eine Versorgung gestalten können, die fachlich kompetent und gleichzeitig menschlich präsent
00:10:41: ist.".
00:10:42: Wie ihr vielleicht aus meiner ersten Podcastfolge wisst, schrieb ich.
00:10:54: Und damals beschäftigte mich vor allem eine Frage.
00:11:07: Weilherbedingungen müssen überhaupt gegeben sein, damit werdende Mütter ihre Geburt als selbstbestimmt wahrnehmen können.
00:11:14: Auch aus der Perspektive heraus dass ich auch glaube das werdende Mutter den Anspruch haben sollten sich grundsätzlich als autonom in einem so wichtigen und lebensverändernden Geschehen erleben zu dürfen.
00:11:33: Der Ursprung dieser Fragestellungen war durchaus persönlich.
00:11:36: Zu diesem Zeitpunkt hatte ich bereits vier Kinder geboren, zwei im Krankenhaus und zwei außerklinisch.
00:11:42: Und für mich war die Antwort zu nichts klar.
00:11:44: Die ersten beiden Geburten hatte ich definitiv als fremdbestimmt erlebt – die späteren außerklinischen Geburten als selbstbestimmt.
00:11:53: Daraus entstand die Annahme dass der Geburtsort der entscheidende Faktor sein müsse.
00:11:59: Am Ende meiner Arbeit zeigte sich jedoch, dass meine ursprüngliche Annahme zu kurz gegriffen hatte.
00:12:05: Nicht der Ort oder Geburt erwies ich als entscheidende Faktor sondern die Qualität der Begleitung.
00:12:11: Besonders Hebammen und Gynäkologinnen spielten eine zentrale Rolle für die subjektive Wahrnehmung von Geburtserfahrungen der Frauen.
00:12:20: Ihre Haltung, ihre Kommunikation und die Art und Weise wie sie Frauen vorwährenden nach der Geburt begegneten beeinflussten maßgeblich ob sich einer gebärende selbstbestimmt ernst genommen und handlungsfähig erlebte.
00:12:35: Diese Erkenntnis begleitet mich bis heute und hat meinen Blick auf Geburt, auf Hebammenarbeit und auf die Frage was Frauen in dieser besonderen Lebensphase wirklich brauchen nachhaltig verändert.
00:12:46: Und deshalb möchte ich zunächst über die Rolle der Hebammen und die Maldikalisierung von Schwangerschaft und Geburt sprechen wohl wissen dass sich die Komplexität dieses Thema nicht in einer einzigen Podcast Folge vollständiger fassen lässt.
00:13:02: Was meine ich als so, wenn ich von Medikalisierung rede?
00:13:06: Der Begriff an sich fand in den neunzehn- siebziger Jahren Eingang in die sozialwissenschaftliche Forschung und wurde von Beginn an dafür hergenommen.
00:13:16: Und genutzt um Entwicklungen moderner Gesundheitssysteme kritisch zu untersuchen.
00:13:21: Der Soziologe Peter Konrad spricht von Medikalisierung, wenn Aspekte des Lebens die ursprünglich nicht als medizinische Probleme verstanden wurden zunehmend medizinisch definiert und behandelt wurden.
00:13:34: Das Soziologie Irwin Kenneth Sola beschrieb Medikalisierung als einen Prozess in dem immer mehr Bereiche unseres alltäglichen Lebens unter medizinischen Einfluss medizinischer Deutung und medizinisch Kontrolle geraten.
00:13:48: Der Blick auf den gebärfähigen Körper und seiner biologischen Prozesse verändert sich und wurden gegenstand medizinischer Deutung und Kontrolle.
00:13:57: Dies betraf nicht nur Schwangerschaft und Geburt, sondern auch Menstruation, Sexualität und
00:14:03: Menopause.".
00:14:05: Lange Zeit waren Schwangerschaft und Geburt Teil des alltäglichen Lebens.
00:14:10: Geburten fanden zu Hause statt, eingebentet in Familien- und Gemeinschaften.
00:14:15: Frauen erleben Geburten nicht nur als Gebärende sondern im Laufe ihres Lebens auch als Töchter, Schwestern, Nachbarinnen oder Begleiterinnen anderer Frauen.
00:14:26: Wissen über Schwangerschaftgeburt, Stillen-Wochenbett wurde über Generationenhinweck mündlich weitergegeben durch Erfahrung, Beobachtung und Beziehungen.
00:14:35: Im besten Fall wurden gebärende Respektvolle und Würdevoll begleitet umgeben von Menschen die sie stärkten und ihre Bedürfnisse ernstnahmen.
00:14:44: Die Hausgeburt war sehr lange die Regel.
00:14:46: Geburt und Tod gehörten zum Alltag des Lebens.
00:14:49: Menschen begingneten ihnen häufiger und unmittelbarer als wir es heute tun.
00:14:55: Diese Vorstellung von Geburt in einem häuslichen und privaten familiären Umfeld, so wie sie oft dargestellt wird vor allem zu vergangenen Zeiten sollte nicht romantisiert werden.
00:15:11: Geburt war früher nicht grundsätzlich sicherer oder selbstbestimmter.
00:15:15: auch damals gab es Gewalt Schmerz und Gleit Und die hohe Mutter und Zeuglingssterblichkeit stellte eine sehr große Herausforderung dar.
00:15:26: Zudem unterschied sich die Aterbegleitung je nach sozialen und finanziellen Status der werdenden Mutter, nicht alle Frauen hatten gleichermaßen Zugang zur Unterstützung Wissen oder Versorgung.
00:15:38: Der Hebammenberuf, wie wir ihn heute kennen, entwickelt er sich über viele Jahrhunderte hinweg.
00:15:44: Im deutschsprachigen Raum wurde die Bezeichnung Hebamme erst mal im zwölften Jahrhundert schriftlich erwähnt.
00:15:51: In mehreren historischen Publikationen werden Hebammen als unter Anführungszeichen weiße Frauen beschrieben.
00:15:58: Aus verschiedenen Quellen geht hervor das Geburtsbegleiterinnen in Teilen des Mittelmeerraums ein hohes gesellschaftliches Ansehen genossen.
00:16:07: Ihr Handlungsspielraum war teilweise größer als jener europäischen Kolleginnen.
00:16:13: Je nach Region und Zeit war ihnen Weiterbildung bei männlichen Ärzten oder anderen Gelehrten möglich, und höher qualifizierte Geburtshelferinnen durften mit unterauchkleine operative Eingriffe durchführen.
00:16:26: Auch das medizinische Wissen über den menschlichen Körper und die Anatomie entwickelte sich regional sehr unterschiedlich, während in einigen Teilen des Mittelmeerraums anatomische Kenntnisse früher erweitert werden konnten weil die wissenschaftliche Erforschung des Körpers in weiten Teilen Europas über lange Zeit stärker eingeschränkt.
00:16:48: Die systematische Sektion von Leichen wurde dort erst deutlich später etabliert.
00:16:54: Auch der gesellschaftliche Status und die Handlungsmöglichkeiten dieser Hebammen unterschieden sich teilweise deutlich von jenen Frauen, die Geburten im deutschsprachigen Raum begleitet haben.
00:17:04: Hier entwickelt es sich eine Geburtspraxis, die sich über lange Zeit vor allem auf heilkundliches praktisches und erfahrungsbasiertes Wissen stützte.
00:17:14: Dazu trugen unter anderem die vorherrschenden gesellschaftlichen und religiösen Vorstellungen sowie der eingeschränkte Zugang vom Frau zu formaler Bildung
00:17:23: bei.".
00:17:23: Im Mittelalter waren hebammen Frauen, die in einer Gesellschaft lebten, in der nahezu alle Lebensbereiche religiös geprägt waren.
00:17:34: Sie standen in sehr engem Kontakt mit den großen Übergängen des menschlichen Lebens – Zeugung, Schwangerschaftgeburt und Tod – und verfügten über ein umfassendes Wissen rundum Fruchtbarkeit, Empfangnisverhütung, Schwangerschaftsabbruch, Geburt, Wochenbett- und
00:17:50: Zäuglingspflege.".
00:17:52: Dadurch nahmen sie innerhalb vieler Gemeinschaften eine besondere Stellung ein, denn Sie wussten, die in einem Bereich des Lebens zu den Männern oft nur begrenzten Zugang hatten.
00:18:02: In der historischen Forschung wird immer wieder diskutiert, welche Auswirkungen die gesellschaftlichen religiösen und politischen Veränderungen der damaligen Zeit auf die Stellung von Hebammen hatten.
00:18:13: Heute gilt die Annahme Hebammen sein während der Hexenverfolgung zwischen fourteenhundertfünfzig und siebzehnhundertfünftig gezielt und systematisch als Berufsgruppe verfolgt worden, als weitgehend widerlegt.
00:18:27: Dennoch zeigen Historikerinnen, dass viele der verfolgten Frauen von den gesellschaftlichen Normen ihrer Zeit abwichen und Misstrauen hervorrufen konnten.
00:18:36: Die Zusammenhänge zwischen Geschlecht, Macht, Religion und Verfolgung sind dabei komplex und lassen sich nicht auf eine einzelne Ursache reduzieren.
00:18:45: Die frühe Neuzeit war von Gewaltverfolgung und sozialer Kontrolle geprägt und hinterließend.
00:18:51: die Verspuren in den Gemeinschaften Europas.
00:18:56: ereigneten sich parallel zu Ereignissen wie der Reformation und dem dreißigjährigen Krieg.
00:19:03: Außerdem veränderten sich auch die Bedingungen unter denen Wissen weitergegeben und das legitim anerkannt wurde, denn ist das Wissen von Hebammen über Menstruation, Fruchtbarkeit, Schwangerschaftgeburt- und Wochenbettstilen oder die Menopause war – von ihnen über Jahrhunderte vor allem durch Erfahrung und mündliche Weitergabe vermittelt
00:19:24: worden.".
00:19:26: Parallel dazu entstanden in den Städten Europas die ersten Universitäten und akademischen Institutionen, zu denen Frauen erst im Jahr – bitte hört euch das an!
00:19:35: – ten Zugang hatten.
00:19:39: Dadurch entwickelte sich zunehmend ein Spannungsverhältnis zwischen erfahrungsbasierten Wissen diesem weiblichen Wissen und einem akademischen Wissen, das vor allem Männern vorbehalten war.
00:19:53: Mit der Zeit gewann Letzteres immer stärker an gesellschaftlicher Autorität und Deutungsmacht und der weibliche Blick fehlte sowohl in Gesellschaft als auch in der Wissenschaft.
00:20:05: Die Rahmenbedingungen für tätige Hebammen verändern sich ebenfalls und ihr Beruf wurde zunehmend staatlich reglementiert.
00:20:13: Die ältesten erhaltenen Hebammenordnungen entstanden in Riegensburg, wobei die Verhaltensregeln und Pflichten für Hebammen festgelegt wurden.
00:20:24: Denn behördliche Stellen versuchten damit unter anderem die Qualität der Geburtshilfe zu verbessern und auf die hohe Mütter- und Säuglingssterblichkeit reagieren.
00:20:36: Ihr Tätigkeits- und Handlungsfeld wurde klar definiert, so durften Hebammen beispielsweise keine eigenen Arzneimittel mehr herstellen oder kleine operative Eingriffe vornehmen.
00:20:47: Neben der zunehmenden Reglementierung wurden Hebammen außerdem dazu verpflichtet eine staatlich anerkannte Ausbildung zu absolvieren und ihre Kenntnisse in Prüfung von Stadtärzten nachzuweisen.
00:20:59: Die Ausbildung Erfolgt der in sogenannten Gebärhäusern oder Gebärstuben, die ab dem Ende des sechzehnten Jahrhunderts zunehmend an Spidele angegliedert wurden.
00:21:11: Gleichzeitig weisen Historikerinnen darauf hin dass das geburtshilfliche Wissen der damaligen Stadt Ärzte selbst oft noch begrenzt war.
00:21:20: Die Professionalisierung der Geburts Hilfe verliefer also keineswegs geradlinig.
00:21:25: Die Reglementierung des Hebammenberufs betraf nicht nur Fragen der Versorgung, sondern repräsentierten auch gesellschaftliche Machtverhältnisse.
00:21:34: Wissen und Zuständigkeiten rund um Schwangerschaft und Geburt wurden zunehmend neu geordnet und damit verändert es sich auch die Stellung der Hebammen innerhalb der Gesellschaft.
00:21:44: Um euch einen Einblick in einer dieser Verordnung zu geben möchte ich euch gerne ein paar Punkte der Hebammenordnung von.
00:21:54: Hebammen sind dem Kreisamt, Ortsobrigkeit und Kreisärzten unmittelbar untergeordnet.
00:22:02: Hebammen sollen einen moralisch guten Lebenswandel führen, verschwiegen sein zu jeder Zeit bereitwillig Hilfe leisten.
00:22:11: Sie dürfen außer den gewöhnlichen Kinderseftchen, Kindern- und Wöchnerinnen keine Arzneien außer in der höchsten Not verabreichen und verordnen – sie sind zur Notdaufe verbunden!
00:22:24: Eine weitere Regelung war die Verbot, Abworte eigentlich durchzuführen und Frauen anzuzeigen wenn sie diese selbst herbeigeführt hatten.
00:22:33: Ich habe mir diese vier Punkte herausgepickt weil ich sehr spannend finde dass alle vier Regeln nicht unmittelbar mit erhebarem Praxis also mit der Tätigkeit oder mit der Versorgung zu tun haben sondern mit sozialen Verpflichtungen.
00:22:52: Während in den Städten immer mehr geprüfte und staatlich anerkannte Hebammen tätig waren, begleiteten auf dem Land weiterhin häufig erfahrene alteingesessene Dorfhebarmengeburten auch ohne absolvierter Fachprüfung.
00:23:07: Nicht zuletzt deshalb weil die Infrastruktur vieler Regionen eine flächendeckende Versorgung von fachlich ausgebildeten Hebammen kaum zuließt.
00:23:17: Alexandra Schmidt beschreibt, dass viele Frauen in Kärnten den ihnen vertrauten Hebammen vor Ort oftmals mehr Vertrauen entgegenbrachten als jungen neu ausgebildeten Hebammen aus den Städten.
00:23:28: Auch daran zeigt sich das.
00:23:30: die Beurteilung seitens der Gebärender was gute Begleitung ausmacht und damals nicht allein eine Frage formaler Ausbildung war sondern ebenso von Erfahrung, Beziehung möchte jetzt mit einem nächsten Abschnitt der Geschichte weitergehen, das ist wirklich kein leichter Abschnitt dieser Geschichte.
00:23:57: Denn je tiefer ich mich mit der Entstehung und auch mit der Etablierung der modernen Gynäkologie- und Geburtshilfe beschäftigt habe Das du häufiger bin ich auch auf Entwicklungen gestoßen, die mich sehr betroffen gemacht haben.
00:24:15: Besonders die Geschichte der Gebärkliniken und Vindelhäuser in den aufstrebenden Städten wirft Fragen auf, die aus heutiger Sicht nur schwer zu ertragen sind.
00:24:26: Und wer sich intensiver mit den historischen Quellen auseinandersetzen möchte, findet die entsprechende Literaturhinweise in der Folgenbeschreibung an dieser Stelle Für heute möchte ich lediglich einige zentrale Entwicklungen skizzieren, um euch einen Eindruck davon zu vermitteln unter welchen Bedingungen sich die moderne Geburtshilfe tatsächlich herausgebildet hat.
00:24:51: Zuallererst ist es aus meiner Perspektive wichtig zu verstehen welche gesellschaftlichen Rollenfrauen im achtzehnten, neunzehnte und beginnenden zwanzigsten Jahrhundert zugeschrieben wurden.
00:25:04: Ihr Frausein wurde häufig auf ihre Rolle als Mutter und Ehrenwerte-Ehefrau komplett zurückreduziert.
00:25:13: Frauen verfügten über deutlich weniger Rechte und gesellschaftliche Handlungsmöglichkeiten als Männer, sie durften weder wählen, hatten nur eingeschränkten Zugang zur höheren Bildung und waren rechtlich so bewirtschaftlich von ihren Vätern oder Ehemännern abhängig.
00:25:31: Zunächst galten sie innerhalb der Familie als Döchter unter der Autorität des Vaters, später häufig unter jener des Ehemannes.
00:25:40: Ihr Wirken und ihr Wirken war ausschließlich auf den privaten Bereich beschränkt – öffentlich dürften Sie sich kaum ausdrücken!
00:25:53: Vor diesem Hintergrund lässt sich erahnen was es eigentlich für Frauen bedeutete unverheiratet schwanger zu werden dein unehrliches Kind zur Welt zu bringen.
00:26:03: Jungfreulichkeit wurde gesellschaftlich hochgeschätzt, wissen über Verhütung waren nicht allen Frauen zugänglich und Schwangerschaftsabbrüche wurden streng bestraft.
00:26:13: Für viele ledige Frauen konnte eine Schwangerschaft schwerwiegende soziale Folgen haben von Ausgrenzungen und Stigmatisierung bis hin zu existenzieller Unsicherheit.
00:26:24: Historische Quellen zeigen, dass in dieser Situation manche Frauen keinen Ausweg mehr sahen.
00:26:29: Kindstötungen nach der Geburt kamen vor sowohl in Städten als auch auf dem Land.
00:26:35: Diese Daten lassen sich nur verstehen, wenn man die gesellschaftlichen Bedingungen jener Zeit mitdenkt.
00:26:40: Den enormen sozialen Druck, die fehlenden Handlungsmöglichkeiten vieler Frauen und die Angst vor lebenslanger Ausgrenzung.
00:26:48: Die Gebärkliniken- und Entbindungsanstalten – wie sie ebenfalls genannt wurden – waren staatlich geförderte Einrichtungen in denen Frauen ihre Kinder unentgeltlich und auf Wunsch anonym zur Welt bringen konnten.
00:27:01: In Wien entstand ein Gebäranstalt mit angeschlossenen Vindelhaus, dass Frauen die Möglichkeit brot ihr Neugeborenes nach der Geburt anonym abzugeben.
00:27:15: An dieser Unterstützung waren jedoch bestimmte Bedingungen geknüpft.
00:27:19: Die Frauen mussten in der Anstaltgebärm für einen gewissen Zeitraum stationär bleiben und ihren schwangeren sowie gebärenden Körper für Lehr- und Ausbildungszwecke frei zur Verfügung stellen.
00:27:32: Auf dieser Weise wurden die Gebäranstalten nicht nur zu Orten der Versorgung, sondern auch zu zentralen Ausbildungsstätten für die entstehende akademische Geburtshilfe.
00:27:43: Gebäranstalten erfüllte mehrere Funktionen zugleich.
00:27:46: Einerseits dienten sie dazu, Geburtshilfliches Wissen zu sammeln und Hebammen auszubilden.
00:27:52: Andererseits ermöglichten Sie auch Medizin an einen wesentlich umfassenderen Zugang zur Schwangerschaft und Geburt.
00:28:00: Während männliche Ärzte zuvor häufig nur bei Komplikationen bei einer Geburt hinzugezogen wurden, konnten sie nun geburtensystematisch beobachten, dokumentieren und untersuchen.
00:28:12: Diese Entwicklungen fielen in eine Zeit kreifender gesellschaftlicher Veränderungen, Industrialisierung, Urbanisierung sowie neue wissenschaftliche und technische Erkenntnisse verändern die Art und Weise wie Menschen die Welt und auch den menschlichen Körperverstanden.
00:28:29: Zudem entsetzte sich ein mechanistisches Körperverständnis durch – der Körper wurde immer häufiger als eine Art Maschine betrachtet, deren Funktionen beobachtet, vermessen, analysiert und optimiert werden konnten.
00:28:43: Dieses verändert der Medizin und auch Schwangerschaft und Geburt, wurden zunehmend durch diese Perspektive betrachtet und wissenschaftlich untersucht.
00:28:52: Bei der Erforschung des schwangeren- und gebärrenden Körpers ging man meiner Interpretation nach überaus experimentell vor.
00:29:01: Verfahren die viele ethische Fragen aufwirft und aus heutiger Sicht schwer vereinbar sind mit unserem Verständnis von Menschenwürde.
00:29:14: unter Anführungszeichen lebendigen Phantomen gesprochen, ledige Entertemütter prostituierte Frauen die aus unterschiedlichen Gründen am Rand der Gesellschaft standen wurden als leer Objekte verstanden und behandelt.
00:29:29: Sie wurden innerhalb der Kliniken und Lehrseele unter den Blicken von Ärzten und Studenten mehrfach immer wieder genikologisch untersucht mit verschiedenen Werkzeugen Bei der Geburt entbunden, sie wurden aufgeschnitten und wieder zugenäht.
00:29:47: Man erprobte bereits bestimmte Medikamentöse, Schmerzmittel usw.
00:29:54: Verstarb eine schwangere Patientin wurde ihr Leichnam gleich weiter für anatomische Untersuchungen vor Ort in einer Klinik weiterverwendet.
00:30:04: Man kann sich vorstellen wie der geistige emotionale und körperliche Zustand dieser Frauen gewesen sein muss.
00:30:12: Hinzu kam, dass der weibliche Körper an sich schon als geringer, schwächer Krankheitsanfälliger und weniger belastbar beschrieben und definiert wurde als der männliche.
00:30:22: Die Geburtshilfe in diesen Kliniken etablierte durch ihre Methodik ein Verständnis von Schwangerschaft als stör- anfälliger Prozess der einer Krankheit gleichzusetzen sei.
00:30:33: Auch die Gebärposition verändert es sich im Zuge dieser Entwicklung, während Frauen zuvor in vielen unterschiedlichen Positionen gebahnt.
00:30:41: Stehend, hockend, knierend oder auf Gebär-Hocker setzte sich in den Klinikhölzoniment die Geburt im Bett und schließlich die Rückenlage durch.
00:30:51: Historikerinnen diskutieren verschiedene Gründe für diese Entwicklung.
00:30:55: Ein häufig genanter Aspekt ist dass die Rickenlage den Untersuchenden einen leichteren Zugang zum Körper der Gebärenden ermöglichte und sich besser in die klinischen Abläufe der damaligen Zeit einfügte.
00:31:08: Was für die Arbeitergeburtshelfer praktisch war?
00:31:11: entsprach jedoch nicht zwangsläufig den Bedürfnissen der gebärenden Frauen.
00:31:16: Und die Spuren dieser historischen Entwicklungen lassen sich zum Teil bis in die Gegenwart verfolgen, auch heute finden gynäkologische Untersuchungen und geburtshilfliche Begleitungen nicht immer in einem vollkommen hierarchiefreien Raum statt.
00:31:30: Zahlreiche sozialwissenschaftliche Studien beschäftigen sich mit den Machtverhältnissen, Kommunikationsformen und Abhängigkeiten die in medizinischen Kontexten entstehen können.
00:31:42: Und dabei geht es nicht darum medizinische Versorgung grundsätzlichen Frage zu stellen sondern darum zu verstehen wie sich institutionelle Strukturen auf das Erleben von Patientinnen auswirken können.
00:31:54: Gerade deshalb spielen respektvolle Kommunikation informierter Zustimmung und die aktive Einbindung von Frauen in Entscheidungen bis heute eine zentrale Rolle für die Qualität der Begleitung.
00:32:06: Erst mit der Verbesserung der hygienischen Bedingungen, in den Kliniken gelang erst die Sicherheit der Geburtshilfe deutlich zu erhöhen und im Mütter- und Säuglingssterblichkeit nachhaltig zu senken – besonders das Kindbedfieber stellte im achtzehnten und neunzehnten Jahrhundert eine verheerende Bedrohung dar.
00:32:27: In vielen Gebärkliniken starben Wöchnerinnen und ihre Neugeborenen an Infektionen, deren Ursachen lange Zeit nicht verstanden wurden.
00:32:37: Erst die Einführung und Standardisierung hygienischer und antiseptischer Maßnahmen führte zu einem deutlichen Rückgang dieser
00:32:45: Todesfälle.".
00:32:46: Die Medizin-Historikerin Anna Bergmann weist jedoch auf einen für mich sehr wichtigen und bemerkenswerten Widerspruch hin.
00:32:57: Sie schreibt die Tatsache, dass genau die Hospitalisierung von schwangeren Frauen durch die männliche Gynäkologie dass Kindbedfieh war in seinem epidemischen Ausmaß erst hervorgebracht hatte, war nie in unserem kulturellen Gedächtnis verankert.
00:33:13: Im Gegenteil, die moderne Gynäkologie bezieht ihr Renommee vor allem aus dem Mythos – sie habe die Mütter- und Sterblichkeitsrate gesenkt!
00:33:23: Unabhängig davon, wie man die Aussage bewertet macht sie auf einen sehr wichtigen Punkt aufmerksam.
00:33:29: Die Geschichte der modernen Geburtshilfe ist nicht nur eine Geschichte medizinischer Fortschritte sondern auch eine Geschichte von ihr Dümern Machtverhältnissen und Lernprozessen.
00:33:40: Viele der Errungenschaften, die wir heute als selbstverständlich betrachtenden standen erst durch die kritische Auseinandersetzung mit Fehlern Und mit dieser Perspektive möchte ich meine historische Erzählung vorerst für heute abschließen.
00:33:57: Geburtskultur ist kein abgeschlossenes absolutes und unveränderliches Konstrukt, sie ist ein lebendiger Prozess der sich fortwährend wandelt und sich gemeinsam mit gesellschaftlichen Vorstellungen wissenschaftlichen Erkenntnissen und den Bedürfnissen der Menschen verändert.
00:34:15: was ich in unserer heutigen Zeit besonders wichtig finde ist, dass die Perspektiven gebärender Menschen zunehmend in den Mittelpunkt drücken.
00:34:24: In vielen Kliniken, Geburtshäusern und außerklinischen Angeboten wird versucht ihre Erfahrungen Bedürfnisse und Wünsche stärker in die Gestaltung der Begleitung einzubeziehen.
00:34:35: auch im öffentlichen Diskurs wird diesem Thema heute mehr Aufmerksamkeit geschenkt als noch vor einigen Jahrzehnten.
00:34:42: für mich persönlich bedeutet Selbstbestimmung nicht unabhängig von allen Strukturen oder Fachpersonen zu handeln.
00:34:50: Selbstbestimmung bedeutet viel mehr in einem respektvollen Dialog mit den Menschen zu treten, die eine Geburt begleiten und auf diese Grundlage informierte Entscheidungen treffen zu können.
00:35:03: Gleichzeitig gibt es medizinische Realitäten in Schwangerschaft und Geburt berücksichtigt werden müssen.
00:35:10: Ich verstehe Geburt grundsätzlich als einen physiologischen Prozess, nicht als Krankheit.
00:35:16: Dennoch können Situationen entstehen, in denen medizinische Unterstützung für die Gesundheit von Mutter und Kind wichtig und notwendig
00:35:23: wird.".
00:35:24: Vielleicht liegt die Herausforderung unserer Zeit gerade darin diese beiden Perspektiven nicht gegeneinander auszuspielen?
00:35:31: Das Vertrauen in die Fähigkeit des gebärenden Körpers einer Medizin, die dort unterstützt, wo Unterstützung tatsächlich gebraucht wird.
00:35:41: Und mit diesen Gedanken neigt sich diese Folge ganz langsam dem Ende zu.
00:35:48: Hier tiefer ich in Geschichte der Geburtshilfe und die aktuellen Debatten rund um Schwangerschaftgeburt und Hebammernarbeit eintauche, desto mehr wird mir bewusst wie vieles noch zu lernen, zu verstehen und zu erforschen gibt.
00:36:02: Die Geschichte der Hebammen ist für mich auch eine feministisch geprägte Geschichte weiblicher Solidarität.
00:36:09: Sie erzählt von Frauen, die sich über Jahrhunderte hinweg für andere Frauen eingesetzt haben und das bis heute tun oft unter gesellschaftlichen beruflichen und politischen Bedingungen in denen ihre Arbeit nicht ausreichend gesehen, wertgeschätzt oder honoriert
00:36:24: wurde.".
00:36:25: Gleichzeitig zeigt sich bis heute ein Spannungsverhältnis zwischen der gesellschaftlichen Bedeutung von Hebammenarbeit und ihrer ökonomischen Absicherung für die Verantwortung, die Expertise und die emotionale wie körperliche Arbeit der Hebammen.
00:36:39: während Schwangerschaftgeburt- und Wochenbettleisten ist ihre Tätigkeit vielerorts nach wie vor unzureichend finanziert.
00:36:48: Und für mich steht dies auch im Zusammenhang mit jenen patriarchalkapitalistischen Strukturen die ich immer wieder im Laufe dieser Folge angesprochen habe.
00:36:57: Dabei sind Hebammenzentrale Expertinnen für Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett.
00:37:02: über ihre Arbeit, ihre Geschichte und ihre Bedeutung zu sprechen ist mein Beitrag zur einer Geburtskultur, die fachlich kompetent medizinisch verantwortungsvoll und gleichzeitig menschlich präsent sein kann.
00:37:15: Vielleicht is dein Beitrag heute?
00:37:17: Diese Folge mit Menschen zu teilen, die bereits geboren haben und gerade schwanger sind innerhalb der Geburtshilfe tätig sind oder sich für diese Themen interessieren.
00:37:27: Denn Geburt betrifft uns alle, denn wir alle wurden geboren aus einem gebärfähigen Körper heraus in dieser Welt, in dieses Leben.
00:37:38: Ich danke dir vom Herzen, dass du auch heute bei dieser eher aufklärenden Folge mit dabei warst.
00:37:45: Das bedeutet mir unglaublich viel, dass Du mich und mein Podcast durch Dein Da sein unterstützt!
00:37:52: Und wenn Du neugierig geworden bist was meine nächsten Projekte sind wie meine Treffen- und Kreise ablaufen wann Du einsteigen kannst wo und wie ich dich begleiten kann, zögere nicht mich zu kontaktieren.
00:38:07: Am einfachsten geht das über meine Instagram-Seite katalina.delamajara oder über mail unter kata delamajora at gmail.com.
00:38:17: Die genaue Schreibweise kannst du in den Show-Nodes und der Podcastbeschreibung entnehmen.
00:38:22: Auf Instagram findest Du auch alle Informationen, die du brauchst – in all den verschiedenen Highlights ganz am Anfang, ganz oben meiner Instagramseite!
00:38:33: Wenn du Lustmaterne unterstützen möchtest dann freue ich mich sehr wenn du diesen Podcast bewertest und einen Kommentar da lässt denn dieses Wissen darf wachsen, dieses Leuchten darf sich ausbreiten.
00:38:45: Los Materner lebt von Verbindungen, von gedeilten Geschichten und Frauen die sich gegenseitig sehen.
00:38:52: Gemeinsam sind wir viele und gemeinsam lassen wir dieses Licht weiterleuchten.
00:38:58: Danke dass du hier bist!
00:39:00: Danke dass Du Teil des Weges bist!
00:39:02: Bis zur nächsten Folge Deine Kataliner.
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